Der Blues ist über hundert Jahre alt – und steckt trotzdem in fast jedem Rock-, Pop- und Hip-Hop-Stück, das du kennst. In diesem Lab lernst du, wie er gebaut ist. Und dann spielst du ihn selbst: auf dem iPad, mit GarageBand.
Das Beste daran: Du brauchst dafür kein Instrument gelernt zu haben. GarageBand kann man so einstellen, dass nur noch Töne übrig bleiben, die zum Blues passen. Falsch spielen ist dann fast unmöglich.
Drei kurze Stationen: Woher der Blues kommt, wie die 12 Takte funktionieren und was Blue Notes sind. Zusammen etwa eine Doppelstunde.
Vier Wege, wie du den Blues spielen kannst – vom ersten Solo bis zur ganzen Band. Du suchst dir aus, was zu dir passt.
Ein Playback, das dir das Bluesschema vorspielt und anzeigt, welcher Akkord gerade dran ist. Damit übst du dein Solo.
Damit deine Antworten nicht weg sind, wenn du das iPad wechselst oder den Browser schließt, legst du dir einen persönlichen Code an – zum Beispiel mia-7b. Merk ihn dir gut, er ist dein Schlüssel.
Alles freigeschaltet, Lösungen sichtbar.
Der Blues entsteht im Süden der USA, gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Gesungen wird er von Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern – Menschen, deren Vorfahren als Sklaven nach Amerika verschleppt worden waren und die auch nach dem Ende der Sklaverei noch bitterarm auf Baumwollfeldern arbeiteten.
Bei dieser Arbeit wurde gesungen: Worksongs, die den Takt der Arbeit vorgaben, und Spirituals, religiöse Lieder voller Hoffnung. Aus diesen Wurzeln wächst der Blues – zusammen mit europäischen Instrumenten wie der Gitarre und europäischen Akkorden. Der Blues ist eine Mischung aus zwei Musikwelten.
Bei den Worksongs rief einer eine Zeile, alle anderen antworteten. Das heißt Call and Response – Ruf und Antwort. Im Blues bleibt das erhalten, nur anders verteilt: Die Sängerin singt eine Zeile, und dann antwortet die Gitarre. Ruf – Antwort – Ruf – Antwort.
Genau deshalb klingt ein Blues nie wie durchgehender Gesang. Es ist immer ein Gespräch.
Ein Bluestext hat fast immer drei Zeilen – und die mittlere wiederholt die erste:
Warum die Wiederholung? Zwei Gründe. Erstens hatte die Sängerin so beim Improvisieren Zeit, sich die dritte Zeile auszudenken. Zweitens wirkt die Beschwerde doppelt so schwer, wenn man sie zweimal hört – und die Antwort am Ende trifft umso härter.
In den 1940er-Jahren ziehen viele Menschen aus dem Süden in die Großstädte des Nordens, vor allem nach Chicago. In lauten Clubs hört man eine leise Gitarre nicht mehr – also wird sie elektrisch verstärkt. Aus dem Country Blues wird der Chicago Blues: lauter, härter, mit Schlagzeug und Bass.
Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt. Aus dem Blues entstehen in den 1950er- und 1960er-Jahren Rock 'n' Roll, Rock und Soul. Chuck Berry, Elvis Presley, die Rolling Stones, später AC/DC, Amy Winehouse, sogar viele Hip-Hop-Beats – überall steckt das Bluesschema drin. Deshalb nennt man den Blues auch ein „zentrales Gen" der populären Musik.
Das Besondere am Blues: Er hat einen festen Bauplan. Zwölf Takte lang, dann fängt er von vorne an. Und weil alle Musikerinnen und Musiker diesen Bauplan kennen, können sich wildfremde Leute auf eine Bühne stellen und zusammen spielen – ohne Noten, ohne Probe. Es reicht zu sagen: „Blues in C."
In diesen zwölf Takten kommen nur drei Akkorde vor. Man nennt sie nach ihrer Stufe in der Tonleiter: die I. Stufe, die IV. Stufe und die V. Stufe.
Der Grundakkord. Hier fängt alles an und hier hört alles auf. In C-Dur ist das C.
Ein Schritt weg von zuhause. Es wird anders, aber nicht unruhig. In C-Dur ist das F.
Der Akkord, der nach Hause zieht. Er kommt nur einmal – in Takt 9. In C-Dur ist das G.
Lies von links nach rechts, Zeile für Zeile. Jedes Feld ist ein Takt:
Jede Zeile hat vier Takte – und passt genau zu einer Textzeile der AAB-Form: Zeile 1 = A, Zeile 2 = A, Zeile 3 = B.
Fällt dir auf, wie ungleich die drei Akkorde verteilt sind? Die I. Stufe hat sieben Takte, die IV. Stufe drei, die V. Stufe nur einen einzigen. Trotzdem ist Takt 9 der spannendste Moment im ganzen Blues – weil man dort am weitesten von zuhause weg ist.
Wirf die Bluesmaschine an und schau beim Hören auf das Raster: Das leuchtende Feld ist der Takt, der gerade läuft. Wechsle die Tonart und das Tempo und hör, wie der Bauplan gleich bleibt, obwohl alles anders klingt.
Der schiefe Ton (Septakkord). Im Blues spielt man die Akkorde selten „sauber". Man hängt einen zusätzlichen Ton dran, der ein bisschen reibt. Aus C wird C7, aus F wird F7. Genau diese leichte Schräglage macht den Bluesklang aus – probier in der Maschine den Haken „Septakkorde" aus.
Die Schleife am Ende (Turnaround). Manche spielen in Takt 12 statt der I. Stufe noch einmal die V. Stufe. Das zieht den Blues nach vorn, direkt zurück in Takt 1 – wie eine Schleife, die sich nicht schließen will.
Du willst das Schema in anderen Tonarten durchgehen, mit Noten und Klaviatur? Das geht in der Musikwerkstatt im Bereich „Blues".
Der Blues kommt aus zwei Musikwelten – und das hört man. Die afrikanische Tradition kennt Töne, die es auf einem europäischen Klavier gar nicht gibt: Töne, die zwischen zwei Tasten liegen. Sängerinnen und Gitarristen können sie treffen, indem sie den Ton ziehen oder rutschen lassen.
Auf dem Klavier behilft man sich: Man spielt einfach die Taste darunter, den etwas tieferen Ton. Diese absichtlich „nach unten gebogenen" Töne heißen Blue Notes. Sie sind der Grund, warum ein Blues auch dann traurig klingt, wenn die Akkorde Dur sind.
Für ein Solo brauchst du nicht alle zwölf Töne. Es reichen sechs. Diese sechs Töne heißen zusammen Bluestonleiter – und das Schöne ist: Sie passen über alle drei Akkorde des Schemas. Du kannst also durchspielen, ohne auf die Akkordwechsel zu achten.
Tipp den Pad an und hör dir die Töne an. Die drei rot umrandeten sind die Blue Notes.
Der Pad klingt zusammen mit der Bluesmaschine. Starte sie unten und improvisier dazu – genau das machst du gleich auf dem iPad, nur mit besserem Klang.
Zähl mal in einem Popsong mit: eins-und-zwei-und-drei-und-vier-und. Die Achtel sind alle gleich lang – das klingt gerade und glatt.
Im Blues ist das anders. Da ist die erste Achtel länger und die zweite kurz, wie ein Hinken oder ein Galopp: taa-ta taa-ta taa-ta. Das heißt Shuffle oder ternäre Rhythmik. Es ist der Grund, warum man bei Blues fast automatisch mit dem Fuß wippt.
In der Bluesmaschine kannst du den Haken „Shuffle" ausschalten. Hör den Unterschied – ohne Shuffle klingt derselbe Blues plötzlich steif.
Ein Bluesschema, das im Browser gebaut wird – Schlagzeug, Bass und Klavier. Du stellst Tonart und Tempo ein, die Maschine spielt, und das Raster zeigt dir, welcher Takt gerade läuft.
So benutzt du sie im Unterricht: Die Maschine läuft über die Boxen im Raum oder auf einem zweiten Gerät. Alle anderen spielen auf ihren iPads dazu. Wenn du eine Spur selbst übernehmen willst – zum Beispiel den Bass –, schalte sie hier einfach aus.
Jetzt wird GarageBand zu deinem Blues-Instrument. Die vier Schritte hier machst du einmal – danach kannst du auf allen Wegen auf der Bühne losspielen. Hak ab, was du geschafft hast.
Öffne GarageBand und tippe auf + Song erstellen. Wisch durch die Instrumente und wähle eines aus, das zum Blues passt:
GarageBand steht von sich aus auf C-Dur. Das ist für den Anfang völlig in Ordnung – wenn du aber mit anderen zusammenspielst, müssen alle dieselbe Tonart haben.
Tippe oben rechts auf das Zahnrad ⚙︎ und dann auf Tonart. Wähle dort deinen Grundton. Diese Einstellung bestimmt gleichzeitig, auf welchem Ton deine Bluestonleiter aufgebaut wird.
Das ist der wichtigste Trick. GarageBand kann alle Töne ausblenden, die nicht zur Bluestonleiter gehören – so wie man bei einem Glockenspiel die Klangplatten wegnimmt, die man nicht braucht. Was übrig bleibt, passt immer.
Die Tastatur verändert sich sofort: Es sind nur noch die Töne der Bluestonleiter da – breit genug, um sie sicher zu treffen.
Moll oder Dur? „Blues (Moll)" klingt rauer und trauriger, „Blues (Dur)" freundlicher. Probier beides – für die ersten Soli ist Moll meist dankbarer.
Diesen Schritt brauchst du nur, wenn du begleiten willst (Weg B). GarageBand hat in der Akkordansicht große Felder, die auf einen Fingertipp einen ganzen Akkord spielen – und du bestimmst, welche das sind.
Die Akkordfelder sind zweigeteilt: Oben (heller) kannst du den Akkord in verschiedenen Lagen spielen, unten (dunkler) liegen die Basstöne. Damit klingt dieselbe Begleitung mal luftig, mal wuchtig.
Hier gibt es keine Reihenfolge und kein „zu leicht". Alle vier Wege führen zum selben Ziel: Du machst Bluesmusik. Such dir den aus, der zu dir passt – und wenn du fertig bist, nimm dir noch einen vor.
Die Wege lassen sich auch kombinieren. Wenn jemand Weg B spielt (Begleitung) und jemand anders Weg A (Solo), habt ihr zu zweit schon einen kompletten Blues. Baut jemand in Weg D ein Playback, können alle anderen darüber improvisieren.
Trag unten ein, welchen Weg du gewählt hast und wie es läuft. Damit das gespeichert wird, brauchst du deinen Code.
Du spielst frei über ein laufendes Bluesschema. Weil in GarageBand nur noch Bluestöne übrig sind, klingt jeder Ton, den du triffst, richtig. Du kannst dich also ganz auf etwas anderes konzentrieren: wann du spielst und wann du Pause machst.
Wenn du mehr willst: Probier einen Ton zu „ziehen" – bei der Gitarre wischst du den Finger nach oben, statt zu tippen. Das ist eine echte Blue Note.
Statt zu solieren spielst du das Schema selbst: die drei Akkorde, in der richtigen Reihenfolge, zwölf Takte lang. Dafür legst du dir die Akkorde vorher auf die Tasten – danach ist es ein Fingertipp pro Akkord.
Wenn du mehr willst: Spiel dieselbe Begleitung einmal mit hohen und einmal mit tiefen Basstönen (heller und dunkler Bereich der Akkordfelder). Und such dir eine Mitschülerin oder einen Mitschüler aus Weg A, die oder der ein Solo darüber spielt.
GarageBand kann mehrere iPads zu einer Band verbinden. Ein Gerät ist der Bandleader: Es gibt das Tempo vor, zählt ein und nimmt alles auf, was die anderen spielen. Ihr braucht dafür kein Schul-WLAN – die iPads finden sich selbst.
Der schwierigste Teil ist nicht die Technik. Es ist, zusammen im Takt zu bleiben. Zählt vor dem Start laut mit und schaut euch beim Spielen an – so wie eine echte Band.
Hier bist du nicht Musikerin oder Musiker, sondern Produzentin oder Produzent. Du nimmst ein Instrument nach dem anderen auf und stapelst sie übereinander, bis eine ganze Band zusammenkommt. Der Vorteil: Du kannst jede Spur so oft wiederholen, bis sie sitzt.
Wenn du mehr willst: Bau eine Steigerung. Lass das Schlagzeug im ersten Durchgang leiser spielen und im zweiten voll einsteigen – oder setz das Solo erst beim zweiten Durchgang ein.
Music Studio Lite kann vieles, was GarageBand kann: Akkorde auf Felder legen und mehrere Spuren aufnehmen. Damit sind Weg B und Weg D auch ohne iPad machbar.
Geh in GarageBand in die Dateiansicht (alle Songs) und halte deinen Song lange gedrückt, bis das Menü kommt. Dort findest du Teilen. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten:
Alle Spuren zusammen als Audiodatei. Zum Anhören und Vorspielen. Nimm das, wenn du nur dein Ergebnis zeigen willst.
Die ganze Datei mit allen einzelnen Spuren. Damit kann man sehen, was du gebaut hast – und weiterarbeiten. Für Weg D ist das die bessere Wahl.
Schick die Datei dann per AirDrop – so, wie es in deiner Klasse vereinbart ist.
Kurze Antworten reichen – aber schreib ehrlich. Es geht nicht darum, was gut klingt, sondern was du wirklich bemerkt hast.
Hier findest du Aussagen zu deinem Lernerfolg in diesem Unterrichtsvorhaben. Kreuze zu jeder Aussage den Smiley an, der deiner eigenen Einschätzung am nächsten kommt. Es gibt kein richtig oder falsch – das ist deine Einschätzung, nicht deine Note.
😄 stimmt genau · 🙂 stimmt meistens · 😐 teils, teils · 🙁 eher nicht · 😟 stimmt nicht
Die „komplette Mappe" enthält zusätzlich deine Antworten aus den Stationen und deine Notizen von der Bühne.
Mit deinem Code liegen deine Antworten in der dorokcloud. Du kannst am nächsten iPad weiterarbeiten – einfach denselben Code wieder eingeben. Mindestens 4 Zeichen, nur Buchstaben, Zahlen und Bindestriche.